Dienstag, 26 Mai 2020 17:49

Richtige Richtung, auch ohne Vollkasko

geschrieben von

Liebe Schachfreunde,
ich freue mich über den Optimismus und Tatendrang, der im Beschluß des LSV zur Fortsetzung des Spielbetriebs zum Ausdruck kommt ! Eine möglichst schnelle Normalisierung unseres Schachlebens ist das erkennbare Ziel - und dies ist in meinem Sinne.

Die Bedenken von Ralph teile ich nicht und auch nicht seinen Vorschlag, den Rahmen der bald zu erwartenden Lockerungen beim Schach nicht (oder erst viel später) auszuschöpfen. Dennoch könnten einige Schachfreunde ähnliche Bedenken haben; und neben der realen Virus-Gefahr bestimmt auch die subjektive Angst vor dem Virus ihre Bereitschaft, ans Brett zurück zu kehren. Diese Angst ist nach dem medialen Wettbewerb apokalyptischer Vorhersagen in den vergangenen Wochen ("Das Schlimmste steht uns noch bevor . . . " etc. ) ebenso verständlich wie legitim. Und wird damit zum objektiver Faktor für jeden Vereinsvorsitzenden und Mannschaftsleiter. Ralphs Vorschlag zeitlich befristeter Sonderregeln zur Entspannung des Spielbetriebs scheint mir deshalb sehr überdenkenswert. Nicht aber die Verschiebung auf den Sankt-Nimmerleinstag. 

(Die potentielle Gefahr, die der Corona-Virus darstellt wird nie völlig verschwinden. Ebenso wie viele viele andere Viren, die Krankheiten auslösen können. Einen Vollkasko-Schutz gibt es nicht, nur Risikoabwägung. Mit einer Zwangsimpfung von ganzen Ländern oder Planeten, lieber Münzi, würde ich selbst dann nicht "rechnen", wenn es einen Impfstoff gäbe und es ökonomisch machbar wäre. Realistischer scheint mir die Hoffnung auf ein wirksames Medikament . . . )  

Ein anderer Aspekt ist die in regelmässigen Abständen und unterschiedlichen Zusammenhängen auftauchende Frage, ob Schach denn wirklich ein gleichberechtigter Sport sei. Während jetzt sämtliche Sportarten, die Tief-Atmer und die emsigen Körper-Kontaktierer, dringend nach Möglichkeiten suchen, ihren Sport wieder auszuüben - könnten die Schachspieler ja stattdessen feine Internet-Ligen gründen ?? Hätten wir dann für die Zukunft die Frage, ob man uns nicht doch besser zum "E-Sport" oder zu den Brettspielen abschieben sollte, nicht schon selbst beantwortet ?!

Mein Eindruck ist, dass die Mehrzahl (z.B. in meinem Verein) wieder spielen möchte und würde, aber nicht alle. Unsere Schüler habe ich zwar bei "Lichess" versammelt, aber auch hier wird deutlich, dass das Spielen im Internet nicht ansatzweise als Äquivalent zu Turnierschach und Vereinstraining betrachtet wird.

Vielleicht hätte der LSV seine Vorschläge etwas pragmatischer nach "Machbarkeit" statt nach "Wichtigkeit" ausrichten sollen ? Zweifellos sind die Ligen ein grundlegendes Element unseres Schachlebens, aber auch in mehrerer Hinsicht ein sehr verpflichtendes Format. Wenn es um den reinen Schachsport geht, um den Wieder-Einstieg nach Corona, wären kleinere dezentrale Einzelturniere im Open-Format sicher besser geeignet (z.B. die zum "Entfallen" verdammten BEM). Freiwillige Teilnahme an einer Schachveranstaltung käme dann auch den "Vorsichtigen" entgegen.
Und vielleicht kommt dieser Blog ordentlich spät. Aber die Richtung stimmt diesmal im LSV. 

  

 

      

 

Gelesen 569 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 27 Mai 2020 19:44
Dirk Michael

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5 Kommentare

  • Kommentar-Link reichel Mittwoch, 24 Juni 2020 07:09 gepostet von reichel

    Hallo Frau / Herr

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  • Kommentar-Link Stephan Münzberg Freitag, 29 Mai 2020 11:48 gepostet von Stephan Münzberg

    Hallo zusammen,

    zu allererst @ C4:
    "Sie haben einen guten Ruf und Tradition, weil sich Organisatoren stark engagieren und vieles richtig machen."

    Da hast du vollkommen Recht, C4. Das wollte ich nicht in Abrede stellen und stimme voll und ganz zu.

    Jetzt @allgemein:
    Ich habe immer noch ein wenig Probleme mit der Open Idee. Im Ligabetrieb spielen in Sachsen Anhalt an jedem Punktspiel geschätzt 1000+ Personen. Gehen wir davon aus, dass davon nur 50 % gerne wieder Schach spielen wollen, werden wir das mit einem Open, dass auf x Personen gedeckelt ist (ich verweise noch einmal auf die "Mass Spreading Event"-Theorie nach der 80% der Infektionen auf 10% Events bzw. Personen zurückgehen) nicht abdecken können. Und selbst wenn wir in einem Kraftakt der Bezirke alle 2 Wochen ein Open organisieren, habe ich die Befürchtung, dass wohl 50 % der Teilnehmer immer die gleichen "Schachgeier" sind und ein gehöriger Teil der Spielinteressierten in die Röhre schaut.

    Meint ihr wirklich, dass Ligabetrieb an der frischen Luft keine Option ist? Andere Länder machen aktuell sogar Schulunterricht (nach Möglichkeit) draußen weil man auf Basis der Empirie fest davon ausgeht, dass die Übertragungen dank stärkerem Luftwechsel weit geringer sind. Klar die Terminplanung ist anspruchsvoll, aber das ist doch machbar oder?

    In Löberitz kam ich immer wieder in die Situation, dass so gutes Wetter war, dass man viel lieber eigentlich draußen spielen wollte und lediglich die Konvention 5-6 Stunden Drinnenzeit erzwang.

    Gruß
    Stephan

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  • Kommentar-Link Ralph Schlosser Donnerstag, 28 Mai 2020 18:35 gepostet von Ralph Schlosser

    Hallo Dirk,

    ich weiß, du hast es so nicht geschrieben, aber um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Nein, ich bin kein mediales Opfer von Corona-Apokalyptikern. Meine Einschätzung basiert auf der Analyse der bis dato bekannten Fakten in und mit aller mir innewohnenden Ruhe und Nüchternheit.
    Du hast aber recht, die mediale Berichterstattung war teilweise schwer zu ertragen. Hinzu kommt, dass der Umgang mit Statistiken sowohl seitens der Medien als auch seitens der Wissenschaftler einem Mathematiker (sogar einem, der die Statistik als Teilgebiet der Mathematik am liebsten verleugnet) brechende Kopfschmerzen bereitet.
    Es stimmt auch, dass es keinen Vollkasko-Schutz gibt und dass uns das Corona-Virus neben den vielen vielen anderen Viren erhalten bleiben wird. Der Unterschied ist jedoch, dass uns zu den anderen Viren bereits Medikamente und/oder Impfungen zur Verfügung stehen. Jeder hat die Wahl, ob und wie er sich beispielsweise vor einer Virus-Grippe schützt. Die insbesondere in Sachsen-Anhalt geringen Corona-Fallzahlen sind in mehrfacher Hinsicht trügerisch wegen der unbekannten Dunkelziffer, wegen des Alters der Zahlen (immer ca. 2 Wochen in Verzug) und wegen des potenziell exponentiellen Wachstums (welches ja auch nur zeitversetzt erkennbar wird). Durch die Lockerungen ist zumindest eine teilweise Nivellierung der Fallzahlen zwischen den verschiedenen Regionen zu erwarten.
    Umgekehrt werfe auch ich Dir nicht vor, zu den Corona-Leugnern zu gehören. Du bist nach ebenfalls reiflicher Überlegung zu einer anderen Risikobewertung gekommen. Das ist legitim und ich kann damit leben. Das nächste gemeinsame Bierchen geht auf meine Rechnung! (Denn wer Recht hat, gibt einen aus. ;-)) Irgendwie werde ich aber auch das Gefühl nicht los, dass unsere beiden Einschätzungen nicht ganz unabhängig davon sind, welchen Stellenwert Schach in unserem Leben einnimmt. Wöllte man ein objektives Urteil, müsste man die Frage beantworten, welchen Stellenwert Schach haben sollte.
    Ich habe übrigens nicht die Befürchtung, dass man Schach als Sport aberkennt, nur weil wir Corona-bedingt keinen Ligabetrieb mehr haben oder weil wir verstärkt online spielen. Wir sind nicht die einzigen, bei denen Trainings- und Wettkampfbetrieb mit Präsenz problematisch sind. Jedoch beneide ich bereits die Tischtennis- und Billardspieler, bei denen es erkennbar aufwärts geht.
    Die Idee, mit dezentralen Open-Turnieren zu beginnen, um die Freiwilligkeit zu unterstreichen, finde ich sehr gut. Du selbst hast ja herausgehoben, wie verpflichtend das Ligaformat ist. Entsprechend sollte man den Vereinen hier entgegenkommen.
    Das blöde an meiner Position ist, dass ich nicht auf alles eine Antwort parat habe. Ich erahne in den nächsten 2 Jahren einen Mitgliederschwund und eine problematische Nachwuchsarbeit. Aber ich habe keine Idee, wie dem zu begegnen ist. Was nicht heißt, dass es keine Lösungen gibt. Insofern wäre es vielleicht hilfreich, man würde sich, so man meine Meinung nicht ohnehin teilt, auf das folgende Gedankenexperiment einlassen: Nehmen wir an, wir würden in diesem Jahr nicht mehr spielen können, und zwar nicht aus Gründen der Vernunft, sondern schlicht, weil es dafür keine politische Freigabe gäbe. Mit welchen Mitteln wäre unter diesen Bedingungen dem Ausbluten der Vereine am besten zu begegnen? Ich glaube, eine Lösung, die in diesem Worst-Case-Szenario gut funktioniert, würde uns auch weiterhelfen, sollten die optimistischsten Erwartungen Realität werden. Und damit schließt sich der Kreis zum Beginn meines Blogbeitrags: es wäre vielleicht ganz gut, nicht nur für den optimistischen Fall einen Plan zu haben…

    Viele Grüße
    Ralph.

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  • Kommentar-Link Dirk Michael Mittwoch, 27 Mai 2020 19:24 gepostet von Dirk Michael

    Lieber Stephan,
    was Du schreibst ist derart seriös, dass ich es nicht mehr wage, Dich wie früher mit "Münzi" anzusprechen ;-)

    Meine Wortwahl "Zwangsimpfung" war natürlich überspitzt, allerdings inspiriert von Deinem Rechenbeispiel.

    Ganz eindeutig halte ich das Online-Schach für eine gute Sache ! Mein Verein hält am Montag ein Onlineturnier auf Lichess ab und die Kinder spielen in der Schulschach-Bundesliga, was auch toll ist - und in dieser Zeit wertvoll wie nie ! Ein gleichwertiger Tausch mit dem "normalen" Schach ist es aber nicht. Ein Vergleich: Es gibt jetzt diese "Wohnzimmer-Konzerte" im Netz, mit schönen Liedern von großartigen Künstlern engagiert dargeboten. Aber ein richtiges Live-Konzert ist etwas ganz anderes !

    Stephan, Du schreibst: "Gut laufende Turniere gibt es natürlich auch, die leben dabei aber eher von Tradition und einem guten Ruf." Das ist allerdings die klassische Verwechslung von Ursache und Wirkung ! Sie haben einen guten Ruf und Tradition, weil sich Organisatoren stark engagieren und vieles richtig machen.
    Bei der BEM in der Stadt Halle (Beispiel) ist der Saal immer voll gewesen. Da stellt sich übrigens die Frage nach dem Einfluss einer "Selektion auf finanzieller Basis" auf die Teilnehmerzahlen ganz einfach nicht. Die Teilnehmer fahren meist nach Hause, da Halle recht zentral liegt. Die Meisterschaft 2020 fiel in die beginnende Corona-Verdunklung - und das Ordnungsamt kam in den Turniersaal, um die versammelten Schachspieler nach Hause zu schicken. (Übrigens wurde die Deutsche Ärzte-Meisterschaft im Schach damals trotz Corona noch in aller Ruhe zu Ende gespielt. Diese Fachkräfte . . . )  
    Konkret würde ich überlegen, die BEM aktuell vielleicht an nur zwei Tagen zu spielen, mit 4 oder 5 Runden . . .
    Zu Eintages-Turnieren im Männerbereich kann ich wenig sagen, da ich persönlich an kurzen Bedenkzeiten keine Freude habe und nie teilnehme.
    Es hängt jedenfalls nicht vom Schicksal ab, ob ein Turnier Zuspruch findet. Außer bei Organisatoren und Konzepten, die an den Interessen ihrer Zielgruppe vorbeischlurfen ;-)

    Um es aber nochmal deutlich zu sagen:
    Ich danke dem LSV-Vorstand für seinem Beschluß, mutig gefasst in schwieriger, schwer überschaubarer Lage ! Ich hoffe, er kann umgesetzt werden. Verfeinerungen wären möglich gewesen, aber der Kurs stimmt.
    Und lange hinterher werden die Spätklugen es ohnehin immer sagen : "War doch klar . . ."
    Viele Grüße
    Dirk

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  • Kommentar-Link Stephan Münzberg Mittwoch, 27 Mai 2020 11:41 gepostet von Stephan Münzberg

    Lieber C4, danke für deine Gedanken.

    Wenn ich dich richtig verstehe plädierst du für eine temporäre Aussetzung des Ligabetriebs bei gleichzeitiger Einführung von dezentralen Einzelturnieren und stehst Onlinelösungen eher ablehnend gegenüber.

    Dazu eine Rückfrage um eine konstruktive Diskussion zu starten. Wie schätzt du die Nutzung dieser Einzelturniere ein? Ich sehe darin einige diskussionswürdige, aber sicher nicht kritisierende(!), Punkte.

    1. Wie siehst du die Akzeptanz von Einzelturnieren. Wenn ich mich an die "Vorcorona-Zeit" und die Turniere, die ich besuchte, erinnere waren bei vielen Eintages-Turnieren nur eine handvoll Personen. Gut laufende Turniere gibt es natürlich auch, die leben dabei aber eher von Tradition und einem guten Ruf. Du schreibst selbst von den "zum "Entfallen" verdammten BEM", wobei die natürlich mehrtägig sind.

    2. Den Eintagesturnieren gegenüber stehen die oft besser besuchten 3-4 Tagesturniere. Hierbei stellt sich allerdings immer die Urlaubs- und Übernachtungsfrage und stellen damit auch eine Selektion auf finanzieller Basis dar.

    3. Unabhängig vom Turnierformat dürften wohl eher sehr begrenzte, und von den Gegebenheiten der gewählten Lokalität abhängige, Teilnehmerkapazitäten realisiert werden. Als Faustregel darf wohl angenommen werden, dass pro Spieler > 5 m^2 zur Verfügung stehen müssten. Da ist das Problem mit der oft nicht ausreichenden Durchlüftung und dem fehlenden Abstand am Brett aber noch gar nicht thematisiert.* Haben wir überall die Kapazitäten dafür? Schließlich gibt es sicher mehr Spielwillige als nur 20 Schachfreunde pro Bezirk.

    Oder verstehe ich dich grundsätzlich falsch und du sprichst dich für zeitlich simultane, dezentrale Veranstaltungen aus, bei denen zum Beispiel alle drei Schachbezirke oder vllt. heruntergebrochen bis auf Kreisebene offene Kreis/Bezirksmeisterschaften spielen, wobei die Auslastung der einzelnen Veranstaltungen wohl trotzdem stark variiert.

    Beste Grüße
    Stephan

    P.s.: Ich habe mich nicht für eine Zwangsimpfung ausgesprochen, wie du sicher auch gelesen und nur der Zuspitzung entsprechend falsch wiedergegeben hast. Warum ich trotzdem mit 6 Mrd. Menschen rechne schreibe ich dir in einer Email. Das gehört hier nicht hin.

    * Die Fachwissenschaft überprüft aktuell u.a. die (begründete) These, dass es ein deutlich geringeres Verbreitungsrisiko im Alltag gibt, aber Superspreading Events (also Situationen mit vielen Menschen für längere Zeit auf engem Raum) einen viel größeren Einfluss haben. Schachturniere mit "größerer" Anzahl Spielern in geschlossenen Räumen würden genau diese Veraussetzungen wohl erfüllen und wären veraussichtlich dauerhaft schwierig zu genehmigen.

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