Das Jahr 2026 war wieder ein Jubiläumsjahr für die Schachgemeinschaft 1871 Löberitz. Der 155. Jahrestag der Vereinsgründung wurde gefeiert.
Seit 30 Jahren wird dieses Ereignis jeweils im Abstand von 5 Jahren mit einem Ehrenpreisturnier gewürdigt. Im Rahmen des II. Kongress des Saale-Schachbundes im Jahr 1883 fand das erste Ehrenpreisturnier in Löberitz statt. Damals spielte ein junger Medizinstudent aus Halle mit, der sich später zu einem der besten Spieler der Welt entwickelte. Dr. Siegbert Tarrasch war sein Name.
Viele Jahre eng verbunden mit dem Löberitzer Schachverein war ein weiterer deutscher Weltklassespieler. Seit 2001 ununterbrochen war Dr. Robert Hübner Teilnehmer des Ehrenpreisturniers. Leider ist er im Januar 2025 verstorben. In enger Verbundenheit hatte er testamentarisch verfügt, dass sein reichhaltiges und umfängliches Schacharchiv in das Schachmuseum Löberitz überführt wird.
Den Großmeistern zu Ehren wird nunmehr das Ehrenpreisturnier verknüpft mit beiden Namen und es wird um den „Tarrasch-Hübner-Pokal“ gerungen. Um die Pflege der Vereinstradition kümmert sich seit vielen Jahren Konrad Reiß. Er wird von seiner gesamten Familie und von vielen freiwilligen Helfern unterstützt. Herzstück ist das Schachmuseum Löberitz, dass inzwischen hohe Aufmerksamkeit aus nah und fern erfährt.
Konrad Reiß ist es wieder gelungen, ein internationales Feld verdienstvoller Schachgrößen mit jungen Spitzenspielern des eigenen Vereins zusammenzuführen. Den Großmeistern Klaus Bischoff, Rainer Knaak und Viktor Moskalenko standen die 19-jährige WIM Agnesa Stepania Ter-Avetisjana und der 25-jährige FM Robert Stein gegenüber. Eigentlich sollte das Teilnehmerfeld durch die WGM Brigitte Burchardt komplettiert werden. Leider streikte ihr Auto auf der Anfahrt, so dass sie sehr zum eigenen Leidwesen kurzfristig absagen musste.
Das Reglement und die Ausstattung des diesjährigen Ehrenpreisturniers orientierte sich an der Historie von Schachturnieren aus früheren Jahren. Es wurde mit der mechanischen GARDE-Schachuhr und klassischer Bedenkzeit 60 Minuten für 40 Züge und 15 Minuten bis Partieende gespielt. Sowohl für die Spieler als auch für den Schiedsrichter war dies eine Herausforderung, wird doch seit vielen Jahren mit elektronischen Uhren inkl. Inkrement je Zug gespielt. Erwartungsgemäß gab es wieder berühmt berüchtigte Zeitnotschlachten.
Dies tat jedoch der Ungezwungenheit und dem Spaß am Turnier keinen Abbruch. Zum Schluss siegte der erfahrene GM Viktor Moskalenko und wird sich auf dem Tarrasch-Hübner-Pokal verewigen. Als gebürtiger Ukrainer war er in den 90iger Jahren eng mit dem damaligen Weltrangzweiten Wassyl Iwantschuk befreundet und unterstützte ihn bei schachlichen Analysen. Inzwischen lebt er in Spanien und ist als Schachautor tätig.
Der bekannte Schachkommentator GM Klaus Bischoff belegte den 2. Platz. Er sprang sehr kurzfristig für GM Robert Rabiega ein, der kurzfristig aus familiären Gründen absagen musste. Konrad Reiß war sehr dankbar, dass diese Lücke schnell geschlossen werden konnte und würdigte dies in seinem Abschlussstatement.
Agnesa Stepania Ter-Avetisjana und Robert Stein vom Gastgeberverein belegten die Folgeplätze. Überraschend verlor Robert als Vorjahressieger das Duell gegen Agnesa.
Die Verdienste von GM Rainer Knaak im Schach werden nach wie vor hoch anerkannt. Für die Veranstalter war es eine große Freude, dass auch er seine Teilnahme am Ehrenpreisturnier zusagte. Mit 73 Jahren war er der älteste Teilnehmer. Die Dynamik und die Ausdauer, auch in den Zeitnotschlachten noch Gegenwehr zu bieten, hat verständlicherweise etwas nachgelassen und er musste 2 Niederlagen einstecken.
Trotz mancher Niederlage oder vergebener Chancen überwog jedoch bei allen Teilnehmern die Freude, in lockerer Atmosphäre am Ehrenpreisturnier teilgenommen zu haben. Dies war, wie Konrad Reiß es bei der Eröffnung betonte, Sinn und Zweck des Turnieres.
FA Gert Kleint
Schiedsrichter